Catal Höyük

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NEWS

2009:

Matriarchatsforschung war gestern, durch ERFORSCHUNG DER MATRIFOKALITÄT kommen wir der Wahrheit über die Steinzeit sehr nahe und können auch hartnäckige KritikerInnen überzeugen. Das OPENBOOK wurde jetzt in allen Teilen vollständigt überarbeitet:

:: Openbook GROSSES UPDATE

:: Neuester Stand der Wissenschaft: Matrifokalität

2007:

Im Jahre 2005 wurde ein Bärensiegel gefunden, das Einfluss auf die Interpretation der Kultur Çatal Höyüks hat. Die offizielle Interpretation der AusgräberInnen abgedruckt im Katalog der Austellung "Die ältesten Monumente der Menschheit" (2007) ist wissenschaftlich nicht haltbar und bedarf daher einer Gegendarstellung.

::  Das Bärensiegel

2002 habe ich Anatolien bereist und Çatal Höyük besucht.

::  Reisebericht


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kannst Du das :: feedback-Formular verwenden.

Kennst Du Çatal Höyük?
Abstract zum Openbook von Gabriele Uhlmann
Dieser bemerkenswerte Ort liegt in der Konya-Ebene in Anatolien/Türkei. Bemerkenswert deshalb, weil hier die - nach Auffassung vieler WissenschaftlerInnen - 
älteste Stadt der Welt,  
der grösste Siedlungshügel der Jungsteinzeit
und gleichzeitig
die älteste Stadtkultur der Welt
zu finden ist.
Übersetzt heißt der Name 'Der Hügel an der Weggabelung'.
Catal Höyük-Rekonstruktion des Stadtbildes  
[Rekonstruktionsversuch]

Während meines Architekturstudiums begann ich mich intensiv mit dieser faszinierenden, unvorstellbaren Stadt zu beschäftigen. In den Jahren 1998 und 1999 hatte ich eine große Studienarbeit verfasst, die den Titel "Çatal Höyük - Interpretation am Scheideweg" trug, und die ich an dieser Stelle als OPENBOOK veröffentlicht hatte.
Seitdem ist viel passiert. Çatal Höyük wird weiter ausgegraben und die Öffentlichkeitsarbeit wurde vorangetrieben. Höhepunkt war die Landesaustellung 2007 in Karlsruhe, die sich mit der Jungsteinzeit Anatoliens beschäftigte. Daher hatte ich mich entschlossen, erneut zu recherchieren und meinen Text vollkommen zu überarbeiten und beförderte damit Ungeheuerliches zutage....

Es gibt nämlich höchst unterschiedliche Meinungen darüber, wie Çatal Höyük zu interpretieren sei. Noch relativ harmlos ist der Streit darüber, ob nicht Jericho die älteste Stadt gewesen ist. Die Definition des Begriffes STADT ist allein äusserst schwierig. Aber Çatal Höyük als Stadt zu bezeichnen, wo sie nicht einmal Stadtmauern, Befestigungsanlagen oder gar ein Zentrum, geschweige denn Strassen oder nur Türen hat, ist immer noch sehr gewagt, denn es gibt eine Lobby, die leider tonangebend ist und genau diese Eigenschaften als alleinige Merkmale gelten lässt. Dennoch ist Çatal Höyük so herausragend in ihrer Zeit und in ihrer größeren Umgebung, dass selbst diese WissenschaftlerInnen nicht anders können, als sie als "Jahrhundertfund" zu bezeichnen.
Hier darf es nicht um Ideologie gehen, sondern wir müssen mit wissenschaftlichen Mitteln die sichtbaren und lesbaren Indizien dieses Krimis analysieren. Ich kann an einfachen Beispielen zeigen, wie sehr traditionelle Einstellungen den Blick auf diesen äußerst ungewöhnlichen Ort verstellen. Verblüffend wird es, wenn nur eine einzige Denkgewohnheit in Frage gestellt wird, und sich eine völlig neue Welt eröffnet, in der sich plötzlich alle Widersprüche in Luft auflösen. Eine Welt, vor der sogar die türkische Regierung Angst bekam, und deshalb für lange Zeit die Grabung verbot. Die Welt, in der nicht ein Gottvater mit einem von ihm geborenen Mann die Frau zeugt oder eine Jungfrau zum Kinde kommt. Wahrscheinlich ist auch Angst der Grund, warum Schulkinder nichts über diesen Ort erfahren, und lernen müssen, dass Zivilisation mit der Erfindung der Schrift beginne. Die Gemeinschaft Çatal Höyüks, die kulturell schon sehr weit entwickelt war, lebte noch in der Tradition der Altsteinzeit, war aber bereits neolithisiert. Der Ackerbau war bereits erfunden, und es wurden auch Kleintiere gehalten. Es wurde jedoch noch viel gejagt, obwohl die RinderDOMESTIKATION schon begonnen hatte. Diese war aber noch nicht in RinderZUCHT übergegangen, was einen wichtigen Unterschied darstellt.

Für die Kulturgeschichte der Menschheit hat Çatal Höyük eine weitaus größere Bedeutung als beispielsweise die Sieben Weltwunder. Die ältesten Schichten des Hügels sind unglaubliche 9250 Jahre alt! Die Bauweise der Häuser hat sich über einen Zeitraum von ca. 1000 Jahren nicht verändert, d.h. hier war von Anfang an eine Stadtkultur. Wohl als der Hügel zu hoch wurde sind die BewohnerInnen umgezogen, zu einem Platz gleich daneben, wo sie wieder 700 Jahre friedlich lebten, bis...

Tja, das weiß niemand, was dann geschah. Der zweite Hügel liegt ebenfalls verlassen da, ohne dass irgendwelche Spuren einer Katastrophe oder eines Krieges zu finden sind.

Wenn Du also die Bilder anschaust, bedenke immer, es ist eine Stadt aus der Steinzeit bzw. Jungsteinzeit! Aber nirgends sind keulenschwingende, ihre Frauen an den Haaren hinter sich her ziehende Männer zu finden. Nirgends finden sich Spuren barbarischer Menschenopfer. Und sie hausten auch nicht in Höhlen. Stattdessen finden sich planvoll angelegte Häuser mit kunstvollen Wandgemälden, wunderschöne Plastiken und eine Kultur der Mitmenschlichkeit, wie sie später nur noch in den abgelegensten Gebieten der Erde zu finden sind, jedenfalls nicht in Europa. Ein höheres Maß an sozialer Kultur hat die Menschheit nie mehr erreicht.

 

Aber schau Dir erst einmal die Bilder an. Es sind Rekonstruktionsversuche der Innenräume, die genau so hundertfach vorkommen und Wohnraum und Heiligtum zugleich sind. Fast jedes Haus ist eine Kultstätte, in der die Grosse Göttin verehrt wurde. Unter den Schlaf-Plattformen wurden auch die Toten bestattet: Die Menschen lebten mit und auf ihren Ahnen. Das ist in dieser Kurzfassung auch der von allen Seiten unbestrittene Stand der Forschung.

Über alles weitere gehen die Meinungen extrem auseinander.

Vielleicht hat es Dich beim Betrachten der Bilder auch geschaudert. Vielleicht empfindest Du die Räume als Gruselkabinette und kannst Dir nicht vorstellen, dass hier glückliche, friedliche Menschen gelebt haben. Auch die Vorstellung auf einem Friedhof zu wohnen, wird Dir sehr unangenehm sein. Mir geht's nicht anders, aber diese Menschen brauchten diese Symbolik und ihre Ahnen, um ihr Leben als Teil eines Zyklus zu verstehen. Das gab ihnen Sicherheit und wahrscheinlich kannten sie auch keine Angst vor dem Tod, wie wir es gewohnt sind.

Die Gemeinschaft Çatal Höyüks "funktionierte" matrilinear und matrilokal. Sie war so nicht "geplant", sondern diese Lebensweise entsprach der menschlichen Natur, wie sie seit 200.000 Jahren gelebt wurde. Und nicht nur sie war es in dieser Zeit, sondern auch alle Siedlungen Mesopotamiens und des Alten Europa. Ihnen allen ist gemeinsam, dass die Bilder eine andere Sprache sprechen, als sie uns vertraut ist. Der Grund dafür ist, dass seit Ende der Jungsteinzeit eine neue Gesellschaftsform endgültig durchgesetzt wurde, die uns bis heute den Blick für unsere wahre Natur versperrt: Das Patriarchat.

Der Symbolkanon Çatal Höyüks ist in mindestens sieben figürliche Kategorien einteilbar, die auch schon auf den Bildern oben zu erkennen sind: Die Grosse Göttin, die Bärengöttin, Doppelgöttinnen, gehörnte Tiere, Leoparden, Geier und Jagddarstellungen. Über ihre Bedeutungen ist in der Fachwelt ein Streit entbrannt, der aufgrund der besseren Argumente der neuen Sicht, geprägt durch die Archäologin Marija Gimbutas, auch bei manchen WissenschaftlerInnen zum Umdenken geführt hat. Aus der offiziellen Wissenschaft wird sie jedoch aufs Heftigste bekämpft, auf eine Weise, die erahnen lässt, dass weit mehr als die Suche nach Erkenntnis dahintersteckt.

Dass die Kultur Çatal Höyüks bis heute weiterlebt, hört sich unglaubwürdig an, doch wir leben täglich mit einer uralten Bildersprache. Sie hat sich bis heute im Alltag unbemerkt tradiert. James Mellaart, der Entdecker und erste Ausgräber Çatal Höyüks, behauptete sogar, dass die Muster türkischer Webteppiche, Kelims, mit den Wandmalereien in Çatal Höyük übereinstimmen. Zwar ist mittlerweile klar, dass er seine Beispiele gefälscht hat, dennoch hat er vielen damit die Augen geöffnet für die Bilder auf den Kelims, die tatsächlich weit mehr zeigen als abstrakte Muster. Vielleicht steigen auch in Dir Erinnerungen an die Kindheit auf, als Du schon Figuren sahst, wo Dir Erwachsene einreden wollten, dass es 'nur' ein Muster sei.

Mellaart selbst erkannte und deutete die Bilder, die auch ihm so fremdartig erschienen, in besonderer Weise und gab damit der Matriarchatsforschung das gesuchte Material in die Hände, und er setzte unfreiwillig eines der Fundamente zu einer feministischen Archäologie. Ein Matriarchat - also "Mütterherrschaft" - gab es aber weder hier noch anderswo, doch Mellaart war trotzdem schon recht nah an der Wahrheit. Für Çatal Höyük können wir die Matrifokalität (= Matrilinearität und Matrilokalität) feststellen, die in der Altsteinzeit das Leben aller Menschen bestimmte. Das Patriarchat, das wir heute fast weltweit vorfinden, war noch nicht durchgesetzt. Diese Zeit war herrschaftsfrei, d.h. die Menschen lebten in Konsens-Gemeinschaften statt in einer Gesellschaft.

Heute ist Çatal Höyük zu etwas wie einer PilgerInnenstätte geworden, und der derzeitige Ausgrabungsleiter Ian Hodder schien dem zeitweilig Rechnung zu tragen, indem er zahlreiche Archäologinnen mit der Untersuchung gerade der bildlichen Darstellungen betraut hatte und auf der offiziellen Homepage Çatal Höyük sein Diskussionsforum anbot. Doch seit einiger Zeit hat sich etwas verändert. Mit ziemlicher Heftigkeit werden nun alle diejenigen bekämpft, die über die Große Göttin von Çatal Höyük forschen, ob sie nun AnhängerInnen der Matriarchatsforschung sind oder nicht.

Mittlerweile entspricht die offizielle Interpretation wieder dem Willen der türkischen Regierung. Matrifokalität wird für Çatal Höyük geleugnet und als ideologische Spinnerei hingestellt. Dabei sprechen die Befunde weltweit unzweifelhaft für etwas anderes, wenn sie nicht durch die Brille des Patriarchats gedeutet, sondern logisch durchdacht werden und Begriffe nicht wilkürlich durcheinandergerührt werden.

Darüber nun mehr im OPENBOOK, das weiterhin den passenden Titel "Çatal Höyük - Interpretation am Scheideweg" trägt. Es ist aufgrund der Datei-Größe nun auf drei HTML-Seiten verteilt.


© 2009 Gabriele Uhlmann

Die Fotos dieser Seite stammen aus dem Buch

'Die Entdeckung von Çatal Höyük - 
Der archäologische Jahrhundertfund' 
von Heinrich Klotz, München 1997 

Klicke die Bilder an, und Du kannst sie groß sehen.

Ein Bett aus Hörnern?





Kuh/Stier-Bukranien





Plattformen





Leoparden





Grosse Göttin, Wandbild





Grosse Göttin, Relief